Monday, 22. september 2008 1 22 /09 /Sept. /2008 07:41

5)  Technik im Bereich der praxisorientierten SV

Was ist überhaupt unter dem Begriff Technik zu verstehen? „Technik ist das Idealbild einer Bewegung bezogen auf die Disziplin Selbstverteidigung“.

Die Güte der Technik ist von äußerst komplexen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel:

Zusammenspiel von Muskeln und Gehirn

Konditionelle Fähigkeiten

Können des Sicherheitsorgan

Konzentrat ion/Motivation.

 

Die SV-Techniken beruhen hauptsächlich auf den praktischen Erfahrungen aus unzähligen Einsätzen (aber auch Übungen) sowie auf theoretischen Überlegungen (siehe Kapitel 1)

Es liegt auf der Hand, dass jeder Security auf Grund persönlicher Fähigkeiten und Anlagen (Körpergröße, Länge der Gliedmaßen, motorischer Fähigkeiten, Vorbildung) nur seine persönlichen Technik – auch als Stil bezeichnet – erreichen kann.

In der persönlichen Technik müssen trotz allem die physikalischen Grundgesetze Hauptelemente der Technik sein, um überhaupt als solche zu gelten und wirken zu können.

In der Entwicklung der Technik unterscheiden wir folgende Stufen:

Anfänger (Grobkoordination) bis zu  5.000 Bewegungsabläufe*

Fortgeschrittene (Festigung)   bis zu 10.000 Bewegungsabläufe*

Könner (Vervollkommnung)  ab 25- 30.000 Bewegungsabläufe*

Als Anfänger wird auch ein Könner bezeichnet, der eine neue Technik lernt, nicht nur einer, der erst zu lernen beginnt.

* Angaben aus der modernen Sportwissenschaft über das Erlernen von neuen Bewegungsabläufen. Variables Maß ist die Trainingserfahrung des Organismus.

 

Das Ziel des Techniktrainings ist eine Automatisierung der vorgegebenen Bewegungsabläufe. Diese ist dann erreicht, wenn der Student die jeweilige Technik ohne zu denken durchführt, sodass er seine Aufmerksamkeit auf die Umgebung richten kann (Verhalten des Gegners, Umfeldbeschaffenheit usw.).

 

Wie erreicht der Student nun eine automatisierte Technik? Indem er als Anfänger Bewegungserfahrung durch aktives Tun sammelt und zusätzliche Informationen des Trainers/Ausbilders erhält. Dadurch gewinnt er ein Bewegungsbild, dass schließlich zu Programmen und zur Koordinierung der Bewegung führt.

 

Durch oftmaliges langsames Wiederholen der Techniken (Körper und Geist-Gleichschaltung)  – eine unbedingte Voraussetzung – und notwendige Korrektive des Trainers/Ausbilders kommt es zur Automatisierung. Dabei zeigt es  sich, dass sich die automatisierte Technik nicht nur auf eine standardisierte Situation beschränkt, sondern situationsbezogen eingesetzt werden kann. Die moderne Sportwissenschaft geht von der Annahme aus, dass dabei nicht erlernte vollständige Bewegungsprogramme abgerufen, sondern in einer neuen Situation verschiedene Teile nach „allgemeinen Regeln“ variabel zusammengefügt werden.

 

Die Herausbildung von rohen Bewegungsprogrammen (Grobkoordination) muss also auf die jeweiligen Situationen verfeinert werden, was eine dementsprechende Ausbildung verlangt. Im konkreten Fall muss der Student nicht gleichbleibende SV-Situationen durchlaufen  -- und das so oft wie möglich.

 

Techniktraining ermüdet das Zentrale Nervensystem als erstes, noch vor Muskulatur, Herz-Kreislaufsystem, Stoffwechsel usw. Das bedeutet, dass das Bewegungslernen im ausgeruhten Zustand erfolgen soll. Nach dem obligatorischen Aufwärmen sollte die Technik zu Beginn des Hauptteils einer Trainingseinheit geübt werden. Erst danach soll die konditionelle Beanspruchung erfolgen.

 

„Liegestützorgien“ zu Trainingsbeginn sind daher handfester Unsinn. Diese Art von Stresstraining setzt eine bereits automatisierte Bewegung voraus.

 

Natürlich ist ein sinnvolles Konditionstraining eine notwendige Komponente jeder Ausbildung und wirkt sich positiv auf das Erlernen der Technik aus (z.B. späteres Einsetzten der Ermüdung, bessere Gelenkigkeit, größere Schnelligkeit usw.).

 

Es ist aber unzweckmäßig, Techniken auszubilden, die eine extreme konditionelle Vorbildung benötigen.

 

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